Der Weltkrieg

war ausgebrochen. Um 7,45 Uhr desselben Tages waren hier sämtliche im Mobilmachungs-Terminkalender vorgesehenen Maßnahmen getroffen. Eine Bürgerwehr sorgte für Ordnung.

Schon setzten die Truppentransporte ein. Wochenlang rollte Zug auf Zug, vollbeladen mit des Vaterlandes kampfesfrohen Söhnen in den hiesigen neuen Bahnhof (seit 1908) ein, dem Westen zu. Viele, ohne anzuhalten, viele zu kurzer Rast verweilend, Erfrischungen einzunehmen, die von dem Eisenbahn Frauen Verein (gegründet am 3. August für die Wupperstädte und Vohwinkel) dargeboten wurden. Die Erfrischungshalle war auf dem zweiten Bahnsteig aufgeschlagen. In dem alten Bahnhofsgebäude wurde von demselben Verein ein Lazarett für etwa 60 Leichtverwundete hergerichtet. So lange erhielt sich die Erfrischungsstelle, bis die einsetzende Rationalisierung der Lebensmittel ihrem Fortbestand ein Ende machte. Das Lazarett hat länger bestanden, lebte 1918 bei dem Heeresrückzug nochmals kurz auf.

Nach erfolgter Mobilmachung begann auch der Vaterländische Frauen Verein seine Kriegsarbeit. Bis zum 1. Dezember 1914 sammelte er 22600,61 Mk für Liebesgaben, die ins Feld geschickt wurden, und die auch zur Unterstützung der Kriegerfamilien und zur Beseitigung allgemeiner Notstände daheim dienen sollten, und Liebesgaben in natura, die ebenfalls in Massen gestiftet wurden. Der Verein übernahm weiter, die von der Gemeinde gespendeten Liebesgaben (im Werte von ca. 31000 Mk.) nach den Kriegsschauplätzen zu befördern.


Ehrenhain von Vohwinkel
Ehrenhain von Vohwinkel


Weihnachten 1914, 1915 u. s. w. sandte er Sondergaben nach draußen und verteilte sie drinnen. In dem Hause Kaiserstraße 80 (Guttemplerhaus) richtete er eine Volksküche ein, die billige Mittagsportionen (20 Pfg.) und unentgeltliche ausgab. Diese Küche blieb bis 1915, wann sie wegen Mangel an Zuspruch geschlossen werden mußte. — Selbstredend vergaß der V. Fr. V. nicht seine hauptsächlichste Friedensarbeit, die Tuberkulose Bekämpfung. Hierfür überwies ihm im Jahre 1914 die Gemeinde Mittel aus den Sparkassenüberschüssen. In den späteren Kriegsjahren gingen zu seinen Händen auch die Gelder, die die Verwaltung für die Beschaffung von Säuglingswäsche und von Leibwäsche für Bedürftige hergegeben hatte.

Dem Bezirksverein vom Roten Kreuz wurde am 30. Dezember 1914 aus Anlaß seiner durch den Krieg vermehrten Ausgaben eine erste Beihilfe aus Gemeindemitteln überwiesen. Die Sanitäter arbeiteten auf dem Bahnhof und im Lazarett.

Das Kriegsersatzgeschäft fand am 15. und 17. August statt. Es gelangten 152 Mann zur Vorstellung. Am Tag zuvor war der unausgebildete Landsturm vom 20.-39. Lebensjahre aufgerufen worden. 693 Vohwinkeler Bürger haben sich daraufhin in die Liste pflichtgemäß eingeschrieben. Bei der Musterung und Aushebung der Jahrgänge 1889-1894 am 8. Dezember 1914 wurden 122 Mann vorgestellt.

Der Kriegsbeginn wirkte auch auf die Jugendpflege ein. Sie erweiterte ihre Aufgabe durch die militärische Vorbereitung der männlichen Jugend. Wie anderwärts wurde auch in Vohwinkel eine Jugendkompagnie aus Jugendlichen im Alter von 16-20 Jahren gebildet. Indes war die Beteiligung, was die praktischen militärischen Uebungen anbelangt, nicht zu rege. Es fand auch theoretischer Unterricht statt, der dem Fortbildungsschulunterricht angegliedert wurde, so daß da die Teilnehmerzahl von selbst eine größere war.

Vom 1. August bis 31. Dezember 1914 waren hier 1322 Mann einquartiert.

Für die Geschäftswelt hatte der Krieg eine starke Geschäftsflaue mit sich gebracht, die sich in den meisten Betrieben bemerkbar machte. Das zeigte sich in dem beträchtlichen Herabgehen der Anzahl der auszustellenden Aufnahmekarten für die Angestelltenversicherung. (Weiteres siehe bei dem Abschnitt über Notstandsarbeiten.)

Um die Unterstützung der Kriegerfamilien, die durch Einziehung, Verwundung, Krankheit oder Tod ihres Ernährers in eine wirtschaftliche Notlage geraten waren, zutreffend bestimmen zu können, wurde die Gemeinde ab 24. Februar 1915 in eine Anzahl räumlich gegeneinander abgegrenzter Bezirke geteilt, für die je ein Obmann und je nach Umfang des Bezirks eine Anzahl von Vertrauensmännern bestellt wurde. Diese Männer bildeten unter dem Vorsitz des Bürgermeisters, später des Beigeordneten, die Unterstützungskommission für Kriegerfamilien. Bis zum 31. Dezember 1914 erledigte die Kommission 582 Antrage in 10 Sitzungen.

Die Angehörigen der Kriegsteilnehmer erhielten bestimmte Summen als Beihilfen. Indes waren die gewährten Unterstützungen bei weitem nicht ausreichend, als die Not größer wurde. Deshalb mußte die Gemeinde selbst noch viel zulegen. Bereits am 4. August 1914 hatte der Gemeinderat für diesen Zweck einen unbeschränkten Kredit eröffnet. Darüber hinaus beschloß man, die Kosten der ärztlichen Behandlung der Kriegerfamilien ebenfalls auf die Gemeinde zu übernehmen, ohne Kürzung der Unterstützungssätze. Daneben wurde noch durch eine Geldsammlung innerhalb der Gemeinde ein recht ansehnlicher Betrag aufgebracht, der in Fällen besonderer Not teils in bar teils in Form von Gutscheinen auf Lebensmittel, Kohlen, Kleidungsstücke, Mittagessen aus der Kriegsküche gespendet wurde.

Außer den Kriegsunterstützungen wurde eine Mietbeihilfe eingerichtet, wenn der Vermieter seinerseits einen Nachlaß von 25 % gewährte. Die Gemeinde zahlte dem Vermieter alsdann die Hälfte der bisherigen Miete bis zum Höchstbetrage von 12,50 Mk. monatlich, so daß der Mieter nur noch den vierten Teil bezw. den Differenzbetrag zu leisten hatte. Bei Nachweis, daß der Vermieter zum Kriegsdienst einberufen war, übernahm die Gemeinde auch das auf den Vermieter entfallende Viertel und brachte es zur Auszahlung.

Der männermordende und männerverstümmelnde Krieg, der bis 31. Dezember 1914 schon 17 Sterbefälle an sich mehr als sonst in der Gemeinde und 64 Todesfälle vor dem Feind erforderte, — ganz besonders noch der Heldentod des Beigeordneten Parnemann am 20. Januar 1915, veranlaßten die Einrichtung der Kriegskrüppel und Kriegshinterbliebenen Fürsorge durch die Gemeinde. Es wurde zunächst beschlossen, bedürftigen Hinterbliebenen gefallener Mannschaften eine einmalige Ehrengabe von 150 Mk. zu gewähren, ferner, die den Angehörigen gefallener Krieger seitens des Kriegsministeriums gewidmeten Denkblätter auf Wunsch der Angehörigen durch die Gemeinde in einheitlicher Form einrahmen zu lassen.

Während des weiteren Verlaufes des Krieges stellte sich immer mehr die Notwendigkeit heraus, die Kriegswohlfahrtspflege straffer zu organisieren. Die bisherige Armenpflege forderte ebenfalls ihr Recht, auch in der Kriegszeit. Die private Wohltätigkeit mußte eingeordnet werden, damit nicht die Kräfte zersplittert wurden, die Gaben bei einer Familie haften blieben. Die Gesundheitsfürsorge verlangte nach Eintritt der feindlichen Blockade verschärfte Beachtung. Der Arbeitsmangel trat ein, Arbeitsnachweis wurde eingerichtet. All dies machte allmählich, aber um so bestimmter die Errichtung eines amtlichen Wohlfahrtsamtes notwendig, das jedoch erst 1919 als solches in Erscheinung und Wirksamkeit trat, demnach dort ausführlicher behandelt werden wird.

Für die ständigen Gemeindearbeiter war durch Beschluß vom 16. September 1914 vorgesorgt. Sofern sie zur Fahne einberufen wurden, sollte für sie eine Kriegsversicherung abgeschlossen werden.

Nach auswärts spendete die Gemeinde an Liebesgaben am 16. September 1914 500 Mk. zur Linderung der durch den Krieg herbeigeführten Notlage in Ostpreußen, am 4. Dezember d. Js. 300 Mk. für die Kriegsnot leidende Bevölkerung von Elsaß-Lothringen, am 3. Mai 1916 einen Zuschuß dem Hilfsausschuß für die Deutschen in Britisch-Südafrika, am 24. Mai d Js. dem österreichisch-ungarischen Kreuz, am 23. August d. Js. dem Wiener Hilfskomitee zur Unterstützung der durch den Krieg geschädigten Reichs-Deutschen einen einmaligen Beitrag.

Die Rationierung der Lebensmittel legte den Gemeinden eine ganz gewaltige Arbeitslast auf. Die Gemeinde Vohwinkel wurde seit 1915 in sechs räumlich gegeneinander abgegrenzte ,, Karten-Bezirke“ geteilt und jeder dieser Bezirke einem Vertrauensmann zugewiesen, der die Ausfertigung und Zustellung der Karten übernahm.

Als die Erfassung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse eintrat, traf Vohwinkel zunächst mit den ortsangesessenen Metzgermeistern eine Vereinbarung, gemäß der die Metzger der Gemeinde nach und nach größere Mengen frischen Schweinefleisches, das sich zur Verarbeitung als Dauerware eignete, lieferten. Das Pökeln und Räuchern besorgte die Gemeinde selbst. Es wurden für etwa 250000 Mk. Fleisch- und Fettwaren angesammelt, die bei der später eintretenden Knappheit an diesen Waren der Bevölkerung sehr zustatten kamen. — Die private Schweinemästung unterstützte die Gemeinde durch Gewährung von Mästungs-Prämien, durch Zuschuß zum Ankauf von Ferkeln, durch Abgabe von Futter u.a.m., gleicherweise hernach die Haltung von Milchkühen, die Beschaffung von Milch für Kinder, Alte und Kranke. Sogar die Eier-Ablieferung ging in der Gemeinde dank dem Eifer der mit der Eiersammlung Beauftragten im allgemeinen befriedigend vor sich.

Zur Förderung des Gemüsebaues stellte die Gemeinde größere Flächen teils eigenen, teils gepachteten Landes, das vielfach erst urbar gemacht werden mußte (Tescheberg, an Ackermanns Büschchen), gegen geringes Entgelt zur Verfügung. Bei der Vergebung der Anbauflächen wurden in erster Linie die Kriegerfamilien berücksichtigt. Die Schulen gaben das Zeichen zum Beginn und das gute Beispiel zur Bearbeitung dieser „Kriegsgärten“ im Frühjahr 1917. Die Nachfrage nach Gemüseland wurde allmählich so stark, daß kaum alle Anträge (2600) erfüllt werden konnten. Die Gemeinde unterstützte diese Sache noch dadurch, daß sie zur Förderung des Kartoffel- und Gemüseanbaus eine Summe auswarf und Anbauprämien gewährte. Auch bewilligte sie dem neu gegründeten Gartenbau-Verein Geld zur Deckung der ersten Kosten.

Was noch am 15. Dezember 1915 der Gemeinderat abgelehnt hatte, die Wiedereröffnung der Volksküche, da es nicht für zweckmäßig gehalten wurde, während des Krieges eine größere Anzahl von Familien zu veranlassen, die Führung ihres Haushaltes auf wesentlich andere Grundlagen zu stellen als in Friedenszeiten, erzwang am 1. März 1917 die Not.

Den meisten Städten und Gemeinden des Industriebezirkes folgend, richtete auch Vohwinkel, diesmal von sich aus, die Volksküche in großem Maßstab in dem Neubau der Realschule (Hammerstein) wieder ein. Eine Anzahl Bürgerinnen übernahm ehrenamtlich die Zurichtung und Verteilung der Speisen in und außer dem Hause. Die Kost war namentlich für die Kinder und für die bedürftigen Kriegerfamilien bestimmt, denen dadurch wenigstens eine richtige Mahlzeit täglich geliefert wurde. Auch jetzt war der Zuspruch nicht so stark wie bei manchen Nachbargemeinden, ein erfreuliches Zeichen für den wirtschaftlichen Sinn der Vohwinkeler Hausfrauen. Diese Volksküche bestand bis Ende April 1919.

Dieselbe Kriegsnot machte den Ausbau der „öffentlichen“ Wohlfahrtspflege notwendig. Darum trat im Jahre 1917 die Nationale Frauenhilfe ins Leben, die im engen Anschluß an die Gemeindeverwaltung folgende Arbeitsgebiete übernahm: die vorerwähnte Volksküche, die Bekleidungsfürsorge, die Krankenhilfe, den Kinderhort, die Schuhflickkurse. Jede Abteilung arbeitete selbständig. In opferfreudiger Dienstbereitschaft und mit nie erlahmendem Eifer warteten die Frauen warmen Herzens ihres freiwillig und gerne übernommenen Amtes unter den immer schwerer und schwieriger werdenden Verhältnissen. Die Frauenhilfe endete am 31. März 1919.

Die technische Leitung des Kinderhortes, der ebenfalls in der neu erbauten Realschule untergebracht war, lag in der Hand einer ausgebildeten Hortnerin, der Hilfskräfte zur Seite standen. Der Kinderhort blieb bis 30. April 1919 bestehen.

In außerordentlichem Umfange wurde die Tätigkeit und Hilfe der Gemeinden Verwaltung von Reich und Staat schon seit 1916 gefordert zur Durchführung der Bestandsaufnahmen und Beschlagnahme der verschiedensten Erzeugnisse, auch solcher, die unmittelbar und nur den Zwecken der Heeresverwaltung dienten. Zu den schon früher erwähnten Lebensmitteln kamen allmählich hinzu Zucker, Kohlen, Petroleum, Benzin, Spiritus, Wolle und alle sonstigen Faserstoffe, Seife, Leder, Messing, Kupfer, Kirchenglocken, Orgelpfeifen, — alles mußte gesammelt und an Zentralstellen abgeführt, zum Teil nach festgelegten Grundsätzen an die Einwohnerschaft verteilt werden.

Außer dem Genannten haben Vohwinkels Volksschulen (ca. 2350 Schulkinder) gesammelt im Sommer des Jahres 1918 17 kg getrocknete Brennesseln, 5217 kg Eicheln, 104 kg Kastanien, 104 kg Bucheckern, 23770 kg Laubheu, 23 kg Obstkerne, 14501 Eier, 448 kg Knochen, 3434 kg Altpapier. Dem werde das Lyzeum gegenüber gestellt (278 Schülerinnen) mit 424 kg Eicheln, 23 kg Kastanien, 84 kg Bucheckern, 3115 kg Laubheu, 4 kg Obstkernen und 11 1/2 kg Frauenhaar.

Die Kriegsarbeiten wurden hauptsächlich von dem Bauamt geleitet. In den ersten Kriegsjahren boten die Neubauten der Bürgermeisterwohnung und der Realschule, der Kanalbau, die Errichtung einer Wupperufermauer sowie die Verlegung der Scheffelstraße zur Vergrößerung der Homannschen Fabrik, die Errichtung kleiner Bauwerke (Erweiterung des Schlachthauses Bergerhoff, Räucherkammer in der Schule Dorfstraße, Pökelanlagen ebendort und in der alten Realschule) noch ausreichende Betätigung auf dem eigentlichen Arbeitsgebiete. Im Verlauf der nächsten Kriegsjahre aber traten immer mehr Kriegsaufgaben an das Bauamt heran, wie die Prüfung der Wohnungsverhältnisse, Mietfestsetzungen, die öffentliche Nachprüfung der landwirtschaftlichen Betriebe (Aussaat, Ernte), die fortlaufenden Volks- und Viehzählungen, die Verteilung und Abgabe von Zucker, Eiern, Seife u. a. an die Einwohner, die Einrichtung eines gemeindlichen Fuhrparks, in erster Linie zur Heranschaffung der Kohlen von den nächsten Zechen, die Führung des Kohlenamtes, die Rationierung von Brennstoffen, die Unterhaltung und Verwaltung des Kriegsgefangenen-Lagers, die Bereitstellung der Kriegsgärten, die Beschaffung von Räumen in dem Neubau der Realschule für die Volksküche, für den Kinderhort und für sonstige Wohlfahrtseinrichtungen (Schuhflickkursus), die Schaffung von Kartoffellägern und Lagerräume für andere Lebens- und Futtermittel ebendort, die Abnahme der in den städtischen und staatlichen Gebäuden beschlagnahmten Blitzableiter, Türbeschläge u. s. f. aus Edelmetallen und ihre Ersetzung durch anderes Material und vielerlei weitere Kleinarbeiten auf verwandten Gebieten.

Gleich große Tätigkeit mußte in der Kriegszeit die Betriebsverwaltung leisten. Infolge der allgemeinen Kohlenknappheit entsprach die Gasversorgung nicht mehr den gestellten Anforderungen. Der Gasdruck mußte verbessert werden. Infolge der Rationierung der Brennstoffe stieg die Zahl der Gasabnehmer von 1631 im Jahre 1914 allmählich auf 2615 im Jahre 1919. Ein Einheitspreis für Leucht-, Koch- und Heizgas wurde eingeführt. Neue Anschlüsse folgten. Infolge der außergewöhnlichen Steigerung der Kohlenpreise, Löhne, Rohmaterialien u. s. w. mußte der Gaspreis zuletzt auf 43 Pfg. für 1 cbm erhöht werden. Aus denselben Gründen und aus Sparsamkeitsrücksichten wurde die Straßenbeleuchtung erheblich eingeschränkt. — Wie beim Gas wurde auch der Preis des Wassers während der letzten Kriegszeit auf 49 Pfg. für 1 cbm erhöht. Der Gesamtwasserverbrauch war nichtsdestoweniger von 603036 cbm im Jahre 1914 auf 810211 cbm im Jahre 1919 emporgegangen. — Die Versorgung mit Elektrizität hatte ebenfalls eine Zunahme zu verzeichnen. In den Jahren 1915 bis 1919 wurden 62 Hausanschlüsse neu hergestellt und 6 Transformatorenstationen eingerichtet. Die Stromabgabe stieg von 152458 im Jahre 1914 auf 418538 Kilowattstunden im Jahre 1919.

Als Kriegswahrzeichen besitzt Vohwinkel das „Eiserne Schwert“, das im unteren Rathausflur seine endgültige Aufstellung gefunden hat. Gleichzeitig hatte es der Gewinnung von Mitteln für die Kriegswohlfahrtspflege dienen sollen. Am 17. Februar 1916 waren feierlichst die ersten Nägel eingeschlagen worden.

Die Verwaltung der zufließenden Geldbeträge wurde durch Gemeinderatsbeschluß vom 18. Oktober 1916 einem besonderen Ausschuß übertragen, der Satzungen aufstellte und sie durch die Gemeinde genehmigen ließ. Die Summe der Nagelung, der Heineren und größeren Stiftungen belief sich bei dem Jahresabschluß 1916 auf 30578,88 Mk. und erhöhte sich in den Jahren 1917 bis 1920 auf 174 978,53 Mk. Das Geld war teils bei der Sparkasse teils in Wertpapieren, teils in Liegenschaften angelegt. Wie die Mittel verwendet wurden, mögen einige Beispiele des Jahres 1919 zeigen. In 15 Fällen wurden Darlehen in Höhe von 500-4000 Mk. an hiesige Kriegsteilnehmer gewährt, in 4 Fällen Barunterstützungen von 75 bis 500 Mk. Für 2 bedürftige Kriegsteilnehmer wurde die Bürgschaft für Darlehen, die von der Kriegshilfskasse der Landesbank der Rheinprovinz in Höhe von 1000 bezw. 3000 Mk. zum Wiederaufbau des Gewerbebetriebs gegeben waren, übernommen.

Nachdem im April 1914 die Sparkasse von der Gemeindekasse kassentechnisch getrennt worden war, erfolgte im Dezember 1917 auch die räumliche Trennung der beiden Kassen voneinander. Die Sparkasse behielt die früher gemeinsamen Räume allein zur Benutzung. Daraufhin haben sich Einlagen und Reingewinn verdoppelt, der Geldumsatz verzehnfacht. Während der Kriegsjahre hatte die Sparkasse stets ihre Verpflichtungen voll erfüllen können. Anfangs ruhig und gesund sich entwickelnd, setzte im Jahre 1916 ein gesteigerter Geldzufluß ein und hielt an.

Dieser Zuzug an Einlagen wurde in der Hauptsache zur Zeichnung von Kriegsanleihen verwandt. Es war der Sparkasse auch möglich, den Einlegern alle gewünschten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe freizugeben. Deshalb erreichte die Summe der Einleger in den 9 Kriegsanleihen 10513100 Mk., die der Kasse selbst 14909800 Mk., insgesamt 25422900 Mk.

Durch das Geschäft der Kriegsanleihen-Zeichnungen wurde ein ganz neuer Betätigungszweig in den Betrieb der Sparkasse eingefügt, die Errichtung der sogenannten offenen Hinterlegungen. 75 % aller Zeichner, die die Sparkasse als Vermittelungsstelle benutzten, überließen ihr auch die Sorge der Verwahrung und Verwaltung der Wertpapiere.

Die im Laufe der Kriegsjahre entstandene Zahlungssitte Waren nur gegen Barzahlung zu liefern, führte in der Geschäftswelt zur Stellung von Akkreditiven. In zahlreichen Fällen stellte die Sparkasse für ihre Kunden solche aus und nahm sie auch an. Wenn auch der Verdienst aus diesen Geschäften ein kleiner war, so hielt er doch die Kunden bei der Sparkasse fest.

Nur die Zahlung der Hypothekenzinsen ließ während der Kriegszeit sehr viel zu wünschen übrig. Es war der Sparkasse äußerst schwierig, auf der einen Seite gegen die Hypothekenschuldner ohne Härte vorzugehen, auf der anderen Seite sich vor Verlusten zu schützen. Neuausleihungen kamen daher nur vereinzelt vor.

Den gesteigerten Geldforderungen der Gemeinde Vohwinkel konnte die Sparkasse stets und zu mäßigem Zinsfuß genugtun. Selbst die Finanzierung der Geldgeschäfte des Kreises Mettmann besorgte vorübergehend die Sparkasse zu beiderseitiger Zufriedenheit.

So war die Sparkasse während des Krieges die Bank der Kommunen und die des kleinen Kaufmanns, des Gewerbetreibenden, des Handwerkers und des Beamten geworden und sah ihre Zukunftsaufgabe darin, eine leistungsstarke Quelle wirtschaftlichen Segens für die weitesten Kreise der Gemeindeeingesessenen zu bleiben.

Anschließend ist zu erwähnen, daß Vohwinkel i. J. 1918 das erste Kriegsnotgeld (Hartgeld) herausgegeben hatte.

Der Krieg veranlaßte eine bedeutende Verkehrssteigerung, abgesehen von den anfänglichen Truppentransporten, auch während seines übrigen Verlaufs im Personenverkehr der Eisenbahn und bei der Post.

Die Straßenbahnen und die Schwebebahn arbeiteten bei gelegentlichen kürzeren Arbeitseinstellungen oder Unterbrechungen im ganzen regelmäßig. Als die Männer in den Kampf gerufen wurden, traten die Frauen an ihre Stellen und besorgten mit Eifer und Geschick sowohl den Fahr- als auch den Schaffnerdienst. Trotz der Ungunst der Verhältnisse schnitten die Straßenbahnen günstig genug ab. An dem Gewinn nahm auch Vohwinkel teil.

Wenn zuvor die Schulen schon einmal bei den „Sammlungen“ erwähnt worden sind, muß nochmals auf sie zurückgekommen werden. Der Schulbetrieb aller Schulen erfuhr in den Kriegsjahren nicht nur Störungen mannigfacher Art, sondern hier und dort geradezu uneinbringlichen Schaden. Die Einberufungen der Lehrer und der dadurch bedingte häufige Wechsel bezw. die Verschiebungen unter den Lehrpersonen und Systemen waren die eine Ursache der unliebsamen Unterbrechungen, die andere war die Notwendigkeit der durch die Schüler(innen) und noch vorhandenen Lehrkräfte zu übernehmenden und auszuführenden Kriegshilfsarbeiten. Der Unterricht wurde auf den Krieg eingestellt. Die in der Weltgeschichte einzig dastehenden Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen gaben ihm Richtung. Die gewaltigen Eindrücke (Siegesfeiern) und starken Anregungen (Ansprachen, Vorträge, Nagelung des „Eisernen Schwertes“) ersetzten teilweise den ausfallenden Unterricht. Einzelne Fächer wie Geschichte, Turnen, Handarbeit wurden von dem Krieg völlig beherrscht. Unter diesen Gesichtspunkten konnten Sondergeschehnisse wie die am 15. Mai 1915 begangene Feier der 100-jährigen Zugehörigkeit Rheinlands zu Preußen, der 500-jährigen Hohenzollernherrschaft innerlich vertiefend vor sich gehen. Erziehlich d. h. auf Vaterland und leidende Menschheit hinlenkend wirkten die Kriegshilfsarbeiten. Alle Schulen beteiligten sich an den Strumpf- und andern Strickarbeiten, bei der Absendung der Feldpostbriefe, Päckchen, bei der Erntehilfe, bei der Sammlung von Gold, von Liebesgaben und bei den vorher aus geführten Sammlungen, die gegen Ende des Kriegs einsetzten.

Sie übernahmen die Kartenverteilung jeder Art. Sie warben für die Kriegsanleihen von Haus zu Haus, um den einzelnen Nagel des Eisernen Schwertes oder der eigenen Schule Kriegswahrzeichen. Sie stürzten sich mit Eifer und abnehmender Leibeskraft, aber ungebeugten Willens auf die Bearbeitung der Kriegsgärten und schafften vorbildlich. Sie stemmten sich, vorahnend ihr späteres Weltelend, gegen die immer schärfer auftretende Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg durch Verbreitung aufklarender Blätter. Sie waren in allem bewundernswert. — Und doch entgingen sie nicht dem verderblichen Einfluß des Krieges. Vorbeugende Maßnahmen dagegen sollten sein die Zusammennahme der Schüler(innen) in den Schulen zur Anfertigung der Schularbeiten, die Einrichtung des Kinderhortes, der Unterhaltungen, Beschäftigungen aller, auch sportlicher Art, der Besuch der Rheinischen Kriegswohlfahrtsausstellung in Barmen, die Beteiligung an den heimischen Kriegshilfsarbeiten, die Teilnahme an den Handfertigkeitskursen u. a. m. Aber die längere Kriegsdauer an sich, die dadurch erforderliche Abwesenheit der Väter, die Inanspruchnahme der Mütter als Ersatz der im Felde stehenden Männer für die Kriegsarbeiten daheim, die Lücken in den Reihen der Lehrer und Erzieher, der häufige Schulausfall bezw. die Unterrichtskürzung, die durch die Beteiligung an den Kriegshilfsarbeiten zunehmende Bedeutung der doch noch immer minderwertigen Kinderscharen d. i. die Ueberschätzung der kleinen Persönlichkeit, der Einfluß gewisser der Selbstverteidigung (Krieg) und dem Vaterland abholder Kreise u. a. m. brachten eine Verwahrlosung der Schuljugend zuwege, die nur noch durch die Wirren der Nachkriegszeit und der Revolution gesteigert werden konnten.

Hier klagt auch der Polizeibericht in Hinsicht auf die Allgemeinheit, daß in Vohwinkel außerordentlich vermehrte Strafverfügungen hatten ergehen müssen.

Aeußerlich machte sich der Kriegszustand bemerkbar in der Aufhebung von Schulen. Die Hilfsschule wurde im Juni 1917 aufgelöst und ihr Leiter und Lehrer zur evangelischen Schule Halbenberg geschickt. Die Hilfsschüler kehrten in ihre zuständigen Schulen zurück. Die Schulbaracke verwandelte sich in eine Pockenbaracke. Erst ab 20. September 1919 trat der normale Zustand wieder ein. — Der Unterrichtsbetrieb der Haushaltungsschule war noch früher, schon 1915, zur Ruhe gesetzt, bis er ebenfalls im Jahre 1919 wiederauflebte. — Dagegen übte der Krieg auf den Besuch der einzelnen Kurse der Handfertigkeitsschule geradezu einen fördernden Einfluß aus, denn die Schülerzahl von 188 im Jahre 1916/17 dürfte die höchste gewesen sein seit Beginn der Kurse. Im Jahre 1914 hatten nur 89 Schüler teilgenommen. — Zu beachten ist ferner die Aufwärtsbewegung im Schulbesuch der höheren Schulen, die während des Krieges einsetzte. Das Lyzeum zählte Ostern 1914 252 und Ostern 1919 282 Schülerinnen. Noch deutlicher ist das bei der Realschule wahrzunehmen, die Ostern 1914 von 205 und Ostern 1919 von 282 Schülern besucht wurde, und zwar in der Sexta so stark (79), daß die Klasse geteilt werden mußte.

Ob dieser Umstand auf die Kriegsgewinne oder auf die Umstellung der Forderung höherer Bildung auch für die Arbeiterkinder zurückzuführen ist, bleibt hier dahingestellt. In den folgenden zehn Jahren ist der Schulbesuch der höheren Schulen auf die normale Zahl zurückgegangen.

Kriegsstörungen waren vom Anfang des Krieges an ebenfalls in der Industrie, im Handel und Verkehr eingetreten, wie schon teilweise dargestellt ist. Daraus ergab sich für die Gemeinde die Aufgabe, Arbeitsgelegenheiten für die vielen Beschäftigung- und Verdienstlosen zu schaffen. Es fehlte aber der Gemeinde an hinreichender Arbeitsgelegenheit. Zum andern ging es nicht an, einen Kontoristen mit Erdarbeiten oder ähnlichen seinen Kräften und Lebensgewohnheiten nicht entsprechenden Arbeiten zu beschäftigen. Durch die Notstandsarbeiten sollte auch möglichst produktive Arbeit geleistet werden. Die Gemeinde Vohwinkel tat nun hierin alles, was sie konnte. Zunächst wurden die Arbeitslosen mit Anbau und Abernten von Gemüsen, mit leichten Erdarbeiten sowie mit Instandsetzung der Bürgersteige an den unbebauten Ortsstraßen befaßt. Als die Verhandlungen über die Zuleitung der Schmutzwässer Vohwinkels in die Elberfelder Kläranlage durch den Vertrag vom 11/14. Dezember 1914 endlich ihren Abschluß erreicht hatten, wurde der Kanalbau als produktive Notstandsarbeit am 24. Februar 1915 durch die Firma Paul Schmidt Sohn Gelsenkirchen im Auftrage der Gemeinde Vohwinkel begonnen. Sehr vielen bot sich da Arbeit und Verdienst. 550000 Mk. wurden verbaut, — bis der Arbeitermangel eintrat, dadurch, daß alle irgendwo vorhandenen Arbeitskräfte besonders für die Geschoß- und Munitionsfabriken angefordert wurden. Nichtsdestoweniger wurde selbst dann noch der Kanalbau gefördert.

Die Rückkehr zahlreicher Kriegsteilnehmer, die nicht sofort in ihren früheren Arbeitsstellen unterkommen konnten, brachte abermals Notstandsarbeiten mit sich. Die Gemeinde richtete zuerst unter Zuziehung von Bauunternehmern, später in eigener Leitung Arbeiterkolonnen ein und ließ sie unter Zuhilfenahme der staatlichen Zuschüsse wiederum die Wege ausbauen, verbessern. Bürgersteige herstellen, den Realschulhof befestigen, Felsmassen am südlichen Abhang der Wupperstraße abbrechen u. s. w. Ein Teil der Arbeitslosen wurde in Nachbargemeinden untergebracht.

Unter den ganz besonderen Ereignissen schlimmer Art, die der Krieg für Vohwinkel eintreten ließ, seien kurz erwähnt der Brand der Sonnborner evangelischen Kirche am 18. März 1917, zu der bekanntlich der Hammersteiner Bezirk gehört, und die am 6. Februar 1918 erfolgte Explosion der Kriegsfeuerwerkskörper verarbeitenden Fabrik von Nau & Schlüter auf der Tesche.

Wir haben nun zum Schluß der Darstellung des großen, die Welt umspannenden Krieges derer zu gedenken, die für uns gekämpft und das Leben gelassen haben. Etwa 3000 Vohwinkeler Bürger sind in den Krieg ausgerückt.

Insgesamt haben 321 Helden den Tod erlitten, deren Andenken auf den Gedächtnis-Ehrentafeln der Kirchen, der Schulen, des Feuerwehrhauses auf dem Rathaushof, des Jahnsteines, der vielen privaten Vereinigungen und zusammenfassend im Ehrenhain auf dem Halbenberg wachgehalten wird. Der Friedhof herbergt am geschmückten Ehrenplatze die daheim gestorbenen Krieger. In Feindesland haben 162 Vohwinkeler als Kriegsgefangene gesessen. Nach Kriegsende waren 252 Kriegsbeschädigte in der Gemeinde vorhanden, darunter 46 mit 50 % und mehr Erwerbsbeschränkung. Es gab hier ferner 97 Kriegerwitwen, 179 Kriegerhalbwaisen und 14 Kriegervollwaisen. — Aus den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 zählte man zu der Zeit noch 26 Veteranen in Vohwinkel.
ARBEITSGEMEINSCHAFT VOHWINKELER VEREINE e.V.