Die Geschichte der katholischen Kirchengemeinde Vohwinkels.

Vormals lag die Sonnborner katholische Kirche auf der vorspringenden Höhe am östlichen Eingang des Ortes. Zwei eherne Glocken, St. Maria und St. Martin geweiht, schickten aus dem alten Turm ihr Geläut weithin ins Wuppertal.

Die wenigen Katholiken, die aus der Zeit der Reformation noch in Sonnborn verblieben waren (vergl. Abschnitt 3, Familiengeschichtliches, Teil II) hatten sich mit den später Zugewanderten kirchlich nach Gräfrath und Düssel gehalten. Es wurden ihrer mehr und mehr, namentlich, seitdem die Eisenbahn mit dem verkehrsreichen Bahnhof Vohwinkel und der etwas früher vollendete Bau der Spinnerei Hammerstein, s. Zt. die bedeutendste im Staate, eine Menge Handwerker und Arbeiter herbeigezogen hatte.

Der weite und beschwerliche Weg nach Gräfrath und Düssel, die beschränkte Pastoration in Sonnborn von Gräfrath aus, der Mangel einer katholischen Schule in Sonnborn u. v. a. ließen den Pastor Johann Adam Hubert Dreesen (gestorben 1845) den Entschluß fassen, den Grundfonds zu einem Curat-Officium zu Sonnborn zu stiften. Dasselbe wurde danach durch andere Schenkungen erweitert, so daß am 4. Mai 1854 die Wartenbergsche Restauration „Kaiserlicher Hof“ (heute die Apotheke) in Sonnborn angekauft werden konnte, deren obere Räume Kapelle und Sakristei werden sollten, während unten der Geistliche Wohnung nehmen wollte. Der Stall mochte später zum Schulraum dienen (ausgeführt 1856/57). Nach dem Umbau des Hauses fand am 25. November 1855 die Benediktion und der erste Gottesdienst durch Pfarrer Martin Breuer statt.

Die Zahl der Katholiken wuchs. Im Jahre 1873 war sie in Sonnborn und Umkreis auf zirka 1000 gestiegen mit 160 Schulkindern. Daher wurde am 6. November 1876 die katholische Kapellengemeinde und am 13. Juli 1887 die selbständige katholische Pfarrgemeinde zu Sonnborn errichtet.

(Nach der Chronik der katholischen Gemeinde Sonnborn beim Pfarramt daselbst.)

Dieser Darstellung werde — als Ueberleitung zur katholischen Gemeinde in Vohwinkel — eine Ergänzung aus den Akten des Landratsamts E. XVII. 6. 1853,1855 hinzugesetzt: Im Jahre 1855 beantragte bei dem Gemeinderat Sonnborn der katholische Pfarrer Breuer - Gräfrath den Neubau einer katholischen Schule, was abgelehnt wurde — wogegen gestattet wurde, daß für Zwecke des katholischen Gottesdienstes in der neuen evangelischen Schule zu Vohwinkel zwei Zimmer benutzt werden durften. — Hiermit sind die ersten Bestrebungen gegeben, eine katholische Schul- und Pfarrgemeinde in Vohwinkel zu errichten.

Aber Jahrzehnte mußten für Sonnborn und Vohwinkel vergehen, bevor die katholische Kirchengemeinden gegründet wurden. Als die katholische Pfarrgemeinde Sonnborn im Jahre 1887 zustande gekommen war, bemühte sich ihr Pfarrer Wamich sofort auch um die Filialkirche zu Vohwinkel. Gerade am Feste der unbefleckten Gottesmutter, am 8. Dezember 1889, wurde im Kirchenvorstand zu Sonnborn die Zustimmung gegeben, in Vohwinkel ein Grundstück zu erwerben, um dort die Filialkirche zu errichten.

Ueber die Entwicklung der Angelegenheit berichtete das „Wuppertaler Volksblatt“ schon am 13. Dezember 1889 dies: „Der katholische Kirchenvorstand Sonnborn hat in Vohwinkel ein Grundstück erworben von 210 Quadratruten Flächeninhalt zu dem Zweck, da eine Filialkirche zu errichten. ... Das erworbene Bauterrain ist im Herzen von Vohwinkel gelegen zwischen Gustav- und Friedrichstraße, nahe bei der katholischen demnächst bereits vierklassigen Schule und der Kreuzung der beiden Provinzialstraßen.

Da die Entwicklung Vohwinkels nach Westen durch den Zentral-Bahnhof und den sehr ausgedehnten- Bahnkörper behindert ist, so wird, wie auch immer Vohwinkel sich sonst ausbauen mag, jene Kreuzung der Mittelpunkt Vohwinkels bleiben. Es darf deshalb die erfreuliche Tatsache vermerkt werden, daß die ganze Gemeinde die Erwerbung gerade dieses Terrains als des denkbar günstigsten mit Freuden begrüßt“.

Man beschloß, die Kirche dem hl. Ludgerus zu weihen (siehe die kirchengeschichtlichen Zahlen und die Altarbilder der heutigen katholischen Kirche, links: „St. Ludgerus leitet den Bau des Klosters Werden“, rechts: „St. Suitbertus tauft im Bergischen Lande“, beide von Albert Diemke - Düsseldorf).

Durch den im Mai 1890 in Tätigkeit tretenden Bauverein und die von allen Seiten zufließenden Gaben wurde das Werk außerordentlich gefördert. Darüber zitieren wir nochmals das vorgenannte Blatt vom 19. September 1893: „Die Mutterkirche Sonnborn erwarb vor drei Jahren aus eigenen Mitteln im Herzen von Vohwinkel einen größeren Bauplatz, auf welchem vorläufig eine Rektoratswohnung, die zukünftige definitive Pfarrwohnung und ein interimistisches Gotteshaus im Charakter eines großen dreischiffigen Vereinshauses nach Zeichnungen des Herrn Baumeisters Roß aus Köln errichtet wurden. Der freigebliebene große Kirchplatz ist für die spätere Pfarrkirche bestimmt. Der jetzige Kirchenbau, 16 m breit, 26 m lang, hat noch eine zweiseitige Empore, 15 m lang und 3 m breit, so daß der Bau für eine Gemeinde von 4000 Seelen ausreicht. Die im gotischen Stile aufgeführten Bauten sind trotz ihrer einfachen Formen sehr wirkungsvoll und machen dem Baumeister alle Ehre. Die Benediktion nahm der hochw. Herr Dechant und Ehren-Domherr Meisbach aus Barmen vor, assistiert von 24 Geistlichen ...“

Am 22. Oktober 1893 wurde der erste Rektor Dr. Steinberg eingeführt. Unter ihm gedieh nicht nur die innere Ausstattung der Kirche und der innere Ausbau der Gemeinde, sondern auch äußerlich konnte ein Fortgang verzeichnet werden, insofern, als am 16. Juli 1896 die katholische Gemeinde zur selbständigen Kapellengemeinde erhoben wurde, d. h. zu einer Kirchengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung.

Ein weiteres wäre aus derselben Zeit zu vermerken, nämlich der Erwerb eines am Halbenberg gelegenen Grundstücks zur Anlage des Gottesackers, dessen Weihe am 1. November 1896 vor sich ging. Bei dieser Gelegenheit wurde der bis dahin zur Pfarrgemeinde Gräfrath gehörende Halbenberg nun förmlich von Gräfrath abgetrennt und an Vohwinkel überwiesen. Einen letzten Liebesdienst erwies Dr. Steinberg seiner Gemeinde noch dadurch, daß er in weiser Voraussicht des Kommenden das Grundstück, das südlich an das Kirchenterrain stieß, auf dem ein Wohnhaus und eine Schreinerwerkstätte standen, selber ankaufte. Den Vorteil dieses Kaufes nahm sein Nachfolger wahr.

Dieser Nachfolger war Rektor Franz Bosbach, der am Samstag vor dem Weißen Sonntag 1898 durch eine kleine, stille Feier der Gemeinde zugeführt wurde. Er erhielt schenkweise die Mittel, jenes von Dr. Steinberg selber erworbene Nachbargrundstück nebst Häusern nunmehr für die Kirchengemeinde von seinem Besitzer zu erwerben. Dort sollte 1900 das Schwesternhaus und die Kinderbewahrschule erstehen. Die Rektoratsgemeinde wurde im Jahre 1901 zur Pfarre erhoben und Rektor Bosbach ihr erster Pfarrer. Die Anstellung eines Kaplans, der Bau einer Kaplanswohnung fallen ihm zu. Das bedeutendste Ereignis aber wurde der Bau und die Konsekration der neuen Kirche, vom 29. Juli 1906 bis 13. Oktober 1907. Die katholische Kirche zu Vohwinkel, ein Werk des Architekten Professor Kleesattel - Düsseldorf, gehört in Anlage und Formsprache zu den glücklichen modernen gotischen Bauten unserer Zeit. Sie ist ein Geschenk der Frauen und Jungfrauen der Erzdiözese Köln an die Himmelskönigin zur Erinnerung an das 50 jährige Jubiläum der Dogmatisierung ihrer unbefleckten Empfängnis. „Hin zu Christus“, sprach der Geist dem Künstler, der dann dieses Wort in Stein umsetzte. — Die provisorische Kirche wurde überflüssig und abgebrochen; ihr Material trug dazu bei, die Vicarie zu erbauen, deren Unterstock Vereinszwecken dienen sollte.

Am 24. Januar 1909 übernahm Dr. Pascal Pirnay das hiesige Pfarramt. Als seine Sonderaufgabe sah er an, das neu erbaute Gotteshaus auszustatten. Mit der Ausführung wurde Maler Diemke aus Düsseldorf beauftragt. Als die ersten Vorarbeiten abgeschlossen waren, brach der Krieg aus, der Maler und die übrigen ausführenden Künstler wurden einberufen und die Vollendung bis zur Friedenszeit hinausgeschoben. Danach verließ auch Dr. Pirnay unsern Ort, nachdem er sich noch um die Kriegshilfe groß verdient gemacht hatte.

An seine Stelle rief die erzbischöfliche Behörde zu Köln Clemens Pünder zum Pfarrer hierselbst, der am 11. Juli 1917 seinen Einzug hielt. Das feierliche Geläut der Glocken begrüßte ihn noch, gleich darauf fielen auch sie wie die evangelischen Kirchenglocken dem Krieg zum Opfer. Die innere Vollendung des Gotteshauses St. Immaculata, die Wiederherstellung ihres Geläutes, die Herrichtung der Krieger-Gedächtniskapelle sind diesem Pfarrer zuzuschreiben, vorerst, denn noch wirkt und schafft er, unterstützt von zwei Kaplänen.

Zur Geschichte der katholischen kirchlichen Vereine.

Kath. Männerverein, gegr. 1890. Sein Zweck ist die Förderung des religiös-kirchlichen Lebens und Hebung der geistigen und wirtschaftlichen Lage der Mitglieder.

Kath. Jünglingsverein, gegr. 1905, umfaßt die Gesamterziehung und -bildung der schulentlassenen männlichen Jugend.

Kath. Gesellenverein, gegr. 1895, widmet sich der reiferen werktätigen Jugend, will sie zu echten Christen, tüchtigen Berufsmenschen und Bürgern des Volkes heranbilden. Der Gesellenverein hat eine besondere Gesang- und Schachabteilung.

Deutsche Jugendkraft, gegr. 1925, pflegt die Leibesübung im Sinne des kath. Erziehungsprogramms.

Neudeutschland, gegr. 1924, die kath. Jugendbewegung höherer Schüler. Bildung junger Katholiken der Tat.

Kath. Arbeiterverein, gegr. 1911, erstrebt religiöse, politische und soziale Schulung der Arbeiter im Lichte der kath. Lebensauffassung.

Kath. Beamtenverein, gegr. 1928, leistet religiös-kulturelle Arbeit am Beamtenstande.

Cäcilienverein, gegr. 1895, hat sich die Pflege und Förderung des Gesanges besonders des liturgischen Gesangs beim Gottesdienst erwählt und wird vom Jungfrauen- und Knabenchor unterstützt.

Kath. Jungfrauenverein, gegr. 1899, erzieht zu einem praktisch-religiösen Leben in Beruf, Familie und Volksgemeinschaft unter Einreihung aller Gebiete der neuzeitlichen Jugendpflege, hat u. a. auch Gesangchor, Turnabteilung, Wanderabteilung.

Frauen- und Mütterverein, gegr. 1910, bezweckt Schulung der kath. Gattinnen und Mütter für ihre Aufgaben in der Familie.

Elisabethenverein, gegr. 1910, treibt Uebung der Caritas durch Liebeswerke jeder Art.

Der Paramentenverein sorgt für die kirchlichen Gewänder.

Verein vom hl. Karl Borromäus, gegr. 1903, besitzt eine eigene Bücherei von ca. 1500 Bänden. Er verbreitet Volksbildung und Volkserziehung durch Gründung und Förderung wertvoller Haus- und Volksbüchereien.

Die Armen Schwestern vom hl. Franziskus, deren Mutterhaus in Aachen steht, die 1900 hier eingezogen sind, üben neben der Fürsorge für die Kleinkinder und schulentlassenen Mädchen auch die Armen- und Krankenpflege in der Pfarre aus und kochen für Kranke.

Die Sterbe- und Wöchnerinnen-Beihilfe ist 1923 gegründet und gedeiht zum Nutzen der sehr zahlreichen Mitglieder.
ARBEITSGEMEINSCHAFT VOHWINKELER VEREINE e.V.